Die große Science-Fiction-Frage

Alles frisch von der Leber talken, Hauptsache es ist Fantasy, Science-Fiction, Horror oder Du glaubst, es wäre welches.
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Hexodus
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Die große Science-Fiction-Frage

Beitrag von Hexodus » Mi 26. Dez 2012, 21:21

Das, was wir in der Leserunden zu Hyperdrive angeregt haben, hat sich als interessant genug herausgestellt, dafür ein eigenes Thema zu eröffnen. Ursprünglich habe ich Minkey diese Frage gestellt, doch jetzt weite ich diese bewußt an alle aus, die Science-Fiction lieben, hegen, pflegen, lesen, schreiben und sonstwie konsumieren oder produzieren.

Welche SF-Autoren/-Regisseure gehören zu Deinen Favoriten? Was hat Dich geprägt? Was bedeutet Science Fiction für Dich? Und was ist überhaupt gute Science Fiction für Dich?


Bin gespannt auf eure Antworten und den anregenden Gedankenaustausch, der sicherlich darauf folgen wird :D :ufo:

minkey
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Re: Die große Science-Fiction-Frage

Beitrag von minkey » Mi 26. Dez 2012, 21:28

Auf Wunsch von Hexodus hier meine Antwort aus dem Hyperdrive-Lesethread:

Was SF-Literatur angeht, erwischt Du mich auf dem falschen Fuss. Tatsächlich ist SF etwas, dass ich hautpsächlich aus Filmen und Serien kenne und ich denke, es geht vielen so. Das reicht von Trash wie Blakes Seven (alte englische SF bei dem jeder Planet, vermutlich wegen fehlenden Budgets, aussah wie englische Kuhwiese) und Raumschiff Orion (mit dem aus einem Bügeleisen gebasteltem 'Overkill") über natürlich Star Treck, Star Wars, Alien etc. zu Firefly. Gelesen habe ich da viel weniger und irgendwie zog es mich vor allem immer zu Kurzgeschichten. Da allen voran Stanislaw Lem (Trurl und Klapauzius sind immer wieder klasse), aber auch Fredric Brown (kennt den noch jemand? Habe mir den Sammelband "from these ashes") zugelegt. Und früher diverse Sachen für Kinder (da gab es einiges bei Boje). Perry Rhodan, Bradbury, Asimov und Co hingegen sind weitgehend an mir vorbeigegangen. Vielleicht hole ich das irgendwann mal nach.

(Na, war das nicht flott :) Wobei ich mittlerweile das Gefühl habe doch deutlich mehr gelesen zu haben, als hier jetzt steht. Aber SF habe ich tatsächlich vor allem 'früher' gelesen...)

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Hexodus
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Re: Die große Science-Fiction-Frage

Beitrag von Hexodus » Do 27. Dez 2012, 23:19

Gegen Serien und Filme ist nichts einzuwenden. Die sind ein fester Bestandteil der Science-Fiction-Kultur und mitunter das Aushängeschild. Wobei Filme meistens eine sehr enges Spektrum des Science-Fiction präsentieren und gerade die US-Filmemacher nie müde werden aufzuzeigen, was passiert, wenn die Aliens auf einen Besuch vorbei schneien und die Amerikaner mit den bloßen Händen und Patriotismus siegen. Damit habe ich 80% der gängigen Plots abgedeckt, was mich ein wenig traurig macht. Denn SF hat soviel mehr zu bieten als das Invasionsszenario. Naja, ich betrachte das als leichte Cost, die zum Popcorn serviert wird. Man weiß eh schon vorher, was passieren wird, also schaufle ich mir den Popcorn in den Rachen und schalte die analytischen Hirnareale ab. *mampf* :mrgreen: Zum Glück bleiben noch die 20% übrig, die nicht soviel mit Aliens vs USA zu tun haben ;)

Seit ich lesen kann, lese ich Science Fiction. Das fing in den Siebziegern (jah, bin ein älteres Baujahr) mit Kurzgeschichten in technischen Magazinen an, die ich zu hunderten verschlungen habe. Seltsamerweise sind darin kaum Aliens vorgekommen, meistens blieben sie ein abstraktes Konzept oder man fand uralte Artefakte. Dafür wimmelte es darin nur so von Ideen und Fremdartikeiten, die mein Denken angeregt haben. Kurz später habe ich mich quer durch die kleinen Science-Fiction-Bestände gelesen. Weil ich in Oberschlesien aufgewachsen bin, war die Auswahl sehr eingeschränkt. Wenige angloamerikanische Titel, Arthur C. Clarke und Asimov waren das höchste der Gefühle. Letzterer wohl deshalb, weil sein Name so russich klingt. Dafür gab es einiges an UDSSR, DDR und polnischer Literatur. Da sind mir Stanislav Lem (Sterntagebücher) und die Gebrüder Strugatzki (Die Schnecke am Hang ... worauf das Spiel Stalker basiert) im Gedächtnis geblieben. Lustigerweis gab es zu dem Zeitpunkt so gut wie keine Fantasy zu bekommen. Der Kleine Hobbit war für Jahre das einzige Fantasybuch, das ich lesen durfte.

Es war nicht so leicht an guten Lesestoff zu kommen. In den End-70ern kam man auf normalen Wegen nicht an vernünftigen Lesestoff heran. Doch eine Quelle gab es dann doch. In meinem Wohnort gab es ein Papierfabrik, die Altpapier (Makulatur) als Rohstoff benötigte. Auf einem großen Areal stapelten sich unzählige Packen gepressten Altpapiers. Jeder davon wog um die 600 Kilo und hatte ein ordentliches Volumen. Darin waren so manche Schätze verborgen. Ältere Zeitschriften mit amerikanischen Kurzgesichten, Bücher über Technik und auch Science Fiction (jau!) oder auch mal ein äußerst wertvolles gut - Comics, die durch die Bank weg SF waren. So habe ich mich mit ein paar anderen nach der Schule dorthin geschlichen. Meine eltern hätten mir den Arsch versohlt, wüßten sie davon. Und die Fabrikarbeiter jagten uns was das Zeug hält. Also war große Verstohlenheit angesagt. Zwischen den Makulaturpacken umherschleichen, Wachen aufstellen, die uns rechtzeitig warnen und schnell Abhauen, wenn das nötig war. Die Makulatur stappelte sich bis zu zehn Meter hoch und bildete labirintartige Gassen und Höhlen. Darin umherzuschleichen war ein großes Abenteuer und S chatzsuche zugleich. Ach, was habe ich da für tolle Bücher gefunden. Ben Bova, Bradbury, Silverberg, Brian Aldiss, Poul Anderson und einiges Mehr. Dazu tonnenweise Kurzgeschichten aller Coleur.

In den Achtzigern kam man schon leichter an Bücher heran. Vieles davon als schlecht gebundenen Fotokopien die ein irgendein Fan zuvor auf der Schreibmaschine getippt hat. Glücklicherweise gab es auch eine Zeitschrift, die sich mit der Fantastik befasst hatte. Darin habe ich auch etwas mehr Fantasyfutter bekommen. Alte aber gute Sachen, wie Conan, Kane etc. Viel Howard eben.

Irgendwann sind meine Eltern nach Deutschland gezogen, wofür wir übrigens keinen Heißluftballon bauen oder Tunnel graben mussten im Gegensatz zu manchen DDR-Bürgern. Die polnischen Behörden waren wohl der Ansicht, dass man sich der Deutschen Minderheit entledigen sollte. Also war das trotz des herrschenden Kalten Krieges für mich ein gänzlich unaufregende Bahnfahrt. Von diesem Zeitpunkt an, habe ich mich wie die Raupe Nimmersat auf alles fantastische gestürzt und Bücher nur so verschlungen.

Anfangs echt wahllos und einfach alles was sich lesen lies. Dann, mit dem herauskristalisieren eines Geschmacks, etwas gezielter. So habe ich u.A. folgende Lieblinge gefunden Frank Herbert (Dune-Zyklus), William R. Forstchen (Das verlorene Regiment), Jack McDevitt (Gottes Maschinen), David Weber (Honor Harrington ... obwohl ich zu Weber ein Zwiespältiges Verhältnis habe), John Ringo, John Scalzi (Krieg der Klone - einfach geil!).
Meine persönlichen Titanen der Science Fiction sind Neal Asher (Prador Mond, Skinner) und Peter F. Hamilton (Armageddon-Zyklus, Mindstar, Void-Trilogie). Die Beiden sollten ruhig schneller schreiben, damit ich endlich Nachschub bekomme ;)

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Horus W. Odenthal
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Re: Die große Science-Fiction-Frage

Beitrag von Horus W. Odenthal » So 30. Dez 2012, 20:28

Wow, Hexodus, das klingt ja abenteuerlich.
Rechnet mich schon mal in dieser Runde dazu. Bin aber momentan ein bisschen lo pro. Für diese Frage müsste man ein bisschen weiter ausholen und die Zeit will ich mir nehmen. Bis die Tage also. Interessante Runde. Schönes Forum. Bis bald.

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Horus W. Odenthal
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Re: Die große Science-Fiction-Frage

Beitrag von Horus W. Odenthal » Di 1. Jan 2013, 21:28

Ich möchte vorausschicken, dass alle Beiträge in diesem wunderbaren Vorteil, nur umso mehr den Wunsch in mir erwecken, schneller und mehr zu lesen. Es gibt so viele wunderbare Bücher, die es noch zu entdecken gilt.
Also, die große SF-Frage.
Die erste Begegnung mit SF hatte ich über John Carter vom Mars. Wenn ich jetzt zurückblicke, ist es schon sehr witzig, wie prägend das anscheinend gewesen ist. Nach den grünen Tarzan-Büchern von Burroughs (die ich mit Vergnügen gelesen habe) tauchten auf einmal ein roter Band auf, den ich vom Rückentext einfach nicht zuordnen konnte. Was war das? So etwas hatte ich noch nie gelesen? Was also bedeutete, ich musste ihn haben!!! Dieser Text war für mich als Kind eine Offenbarung. So etwas ging? So etwas konnte man schreiben? Nicht nur die Phantasie sondern auch, was man zwischen zwei Buchdeckel bannen konnte, kannte keine Grenzen. Wow! Seit diesem Zeitpunkt war ich auf der Suche nach etwas Ähnlichem.
Ein Kurzgeschichten-Band von William Voltz, ein paar Alan Burt Akers, alles was die Provinz und die Drehständer in den Supermärkten hergaben. Dann kam die Entdeckung der Fantasy, und parallel zum Herrn der Ringe stieß ich auch schon bald auf den Wüstenplaneten, von dem ich alle drei damals erhältlichen Bände verschlang. Ich habe fest vor, demnächst zu überprüfen, wie gut die gealtert sind; damals fand ich sie gigantisch. Dann weiterhin Vermischtes, von Doc Smith über Schockwellenreiter (großartig!), Ewiger Krieg, die Bücher des anderen Haldeman-Bruders, Dhalgren zu George R.R. Martins Die Flamme erlischt, das für mich neben Dune für lange Zeit (im jugendlich beeindruckbaren Alter) das Non-Plus-Ultra der SF darstellt. Zwischendurch Alfred Döblins Berge, Meere und Giganten, das wohl mit Michael Moorcock in meinem Kopf einen bizarren Mix nicht-existenter Bücher erschuf.
Irgendwann las ich dann viel Fantasy – auch deshalb, weil sie zu diesem Zeitpunkt ihren Siegeszug in Deutschland langsam antrat und unter dem Einfluss der Terra Fantasy Reihe, die auch durch ihre Vorworte anleitete, mehr aus diesem Genre zu entdecken. SF geriet etwas ins Hintertreffen. (Und natürlich las ich die ganze Zeit parallel Sachen aus dem angeblich genrelosen Bereich, als der sog. allgemeinen Literatur.) Dann tauchten – auch zuerst in der Reihe Terra Fantasy – die Bücher von Leigh Brackett auf, die mich sehr begeisterten und inspirierten. Eine Rückkehr zum Mars. Interessant, denn ihre Mars-Geschichten standen auch in der Nachfolge von E.R. Burroughs. Ich mochte diese Planetengeschichten sehr, und Eric John Stark habe auch später in der Gestalt von Dugan in "Hyperdrive" bewusst meine Reverenz erwiesen. Dann später traf ich auf C.J. Cherryh, die für mich auch heute noch absolut Old-School-SF in a good way darstellt. Story nach vorn, keine wissenschaftlichen Theorien, die mühsam in Plots gekleidet werden. Kein Meta-Dialog von SF-Autoren untereinander (was einem im letzten Jahrzehnt schon einmal die SF vergällen konnte und auch wohl große Leserschichten abschreckte).
Ich habe dann über lange Zeit weder SF noch Fantasy gelesen. Ich kehrte zurück, zu einer Zeit, als ich mich auch neu dem Schreiben widmen wollte. Und zu diesem Zeitpunkt war es für mich wichtig, das aufzuholen, was ich vielleicht verpasst hatte. Ich habe mich also durch die ganze Meisterwerke-der-SF-Reihe von Heyne gelesen. Ich war begeistert von William Gibson. Bin es noch immer. Er ist für mich ein ganz großer Schriftsteller und großartiger Stilist. Der Anfang von Count Zero gehört wohl zum Besten, was ich in der Literatur kenne. Das reißt Mich mit wie Hemingway. Einige Roman von Bruce Sterling. So das ganze Cyberpunk-Umfeld itsamt der Gegenbewegung. Lois McMaster-Bujolds Vorkosigan-Serie habe ich am Stück weggelesen, fand sie großartig. Hier finde ich wieder das gleiche wie bei Cherryh. Sie ebbte aber am Schluss aus und wurde mir etwas zu operettenhaft. Aber die Plots finde ich immer noch großartig.
Ganz groß: Iain Banks. Bedenke Phlebas!!! Toll, wie der Sachen schreiben kann, von denen man glauben könnte, das sie nur im Film funktionieren. Ich finde seine Sachen auch nicht unnötig gestreckt. Ich kann mich herrlich auch in seinen neueren Büchern verlieren. Richard Morgan!!!!! Die Takeshi-Kovacs-Romane sind großartig! Genau mein Ding. Ich mag den Stil. Der ist plastisch und anspruchsvoll. Das ist höchst unterhaltsam und doch mehr als Unterhaltung. Das stört sich nicht darum, dass es "doch nur Genre-Literatur" ist. Alles von Morgan. "Scorpion-Programm" oder wie das auf deutsch heißt. Und natürlich seine Fantasy-Sachen.
Dan Simmons Hyperion-Roman. Wobei ich die letzten beiden besser finde. Auch hier stören mich manche Längen weniger als andere Leser. Ich wünschte mir er würde wieder so etwa schreiben statt dieses Recherche-Schlachtfesten der letzten Zeit. Ich fand es schafde zu sehen, wie er sich in den Themen und seiner eigenen Recherche verliert.
Ansonsten vermischtes. Ansonsten stelle ich fest, dass ich viel zu wenig gelesen habe und mein "Muss ich unbedingt lesen"-Stapel viel zu groß ist.
Vieles was bei dir, Exodus, auftaucht, gehört auch noch zu den Dingen, die ich unbedingt einmal lesen will. Gary Gibson liegt auch noch ganz oben auf dem Stapel. Mit Alistair Reynold habe ich es mal versucht, bin aber nicht rangekommen. Das war mir damals zu tief ins Feld der SF-Spezialisten entrückt. Ich will ihm aber noch einmal eine Chance geben. Was ich von ihm höre, hört sich gut an. Ich finde gute SF sollte auch leicht zugänglich sein, nicht nur für Nerds und Geeks. Das ist der große Vorteil von Filmen über Bücher. Man sieht die Dinge, braucht sie nicht zu benennen und zu erklären. Man verliert sich nicht in einem Wust von Termini.
Den ganzen Kram um den Schwerkraftkern der "Singularität" fand ich heikel und war nicht mein Ding. Da hat man sich viel in besagte Meta-Dialoge untereinander verirrt. Der Leser (ich jedenfalls) blieb verwirrt und ungerührt zurück.
Bestimmt habe ich viel Wichtiges vergessen. Bestimmt. Aber das ist das, was mir gerade so einfällt.
SF kam bei mir vor der Fantasy. Auch als ich zu den Genres zurückkehrte. McMaster-Bujold wollte ich zunächst nicht anrühren, weil ich irgendwie im Hinterkopf hatte, die habe Fantasy geschrieben. Das Leben ist seltsam und Lesen ein Abenteuer.
Bin gespannt, was ihr sonst noch so über eure Leseerfahrungen mit SF zu berichten habt. Da gibt es bestimmt noch manche Anregungen.

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Horus W. Odenthal
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Re: Die große Science-Fiction-Frage

Beitrag von Horus W. Odenthal » Mi 2. Jan 2013, 21:48

Meinen letzten Eintrag habe ich erweitert und überarbeitet auf meinem Blog eingestellt. Wen es interessiert, dort findet er noch ein paar Ergänzungen zu den SF-Büchern, die ich gelesen und die mich beeinflusst haben.
http://horus-w-odenthal.blogspot.de/201 ... alter.html

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Hexodus
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Re: Die große Science-Fiction-Frage

Beitrag von Hexodus » Do 3. Jan 2013, 00:29

Sehr interessant zu lesen, was Dich beeinflußt hat. Habe ebenfalls in Deinem Blog die Ergänzungen gelesen. „John Carter vom Mars“ habe ich tatsächlich zuerst letztes Jahr im Kino gesehen, ohne die Buchvorlage zu kennen. Ein großartiger Film übrigens, der leider aufgrund schlechten Marketings untergegangen ist. Kann mir vorstellen, dass das geradezu ein erfrischend-schockierendes Erlebnis war, gerade mit diesem Buch anzufangen. Bei meinem "Erstling" müsste ich länger nachdenken. Wahrscheinlich ein Kurzgeschichte von Stanislaw Lem, die von einer Mondstation handelt.

Einige Deiner favorisierten Autoren kann ich klar abnicken. Joe Haldemanns „Der ewige Krieg“ ist geradezu legendär und habe den mehrmals gelesen. Es gibt übrigens ein neues Buch von ihm, das angeblich mithalten kann, nämlich "Accidental Time Machine". Ob dieser Leistungsvergleich stimmt, muss ich noch herausfinden. Philip K. Dick ist natürlich ein ganz Großer, gerade seine Kurzgeschichte, die später als "Screamers – Tödliche Schreie " verfilmt wurde, ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Die Kurzgeschichte war klar besser und tiefgreifender als der Film, wie das so oft ist.


Iain Banks ist auch einer meiner Lieblingsautoren. „Bedenke Phlebas“ war einfach großartig, auch viele seiner anderen Romane. Die friedliche Koexistenz der Maschinenexistenzen hat parallelen mit dem Polis-Universum von Neal Asher (z.B. Prador Moon). Auch als einen Bruder Banks im Geiste könnte man Vernor Vinge betrachten ( "A Fire Upon the Deep" oder zu Deutsch "Ein Feuer auf der Tiefe"). Er hat dieselbe Leichtigkeit wie Banks und großartige Ideen wie Haldemann. A Deepness in the Sky (Eine Tiefe am Himmel) ist mit das abgefarendste, was man lesen kann.

Michael Moorcock mit seinen Elric-Romanen gehört übrigens zur Pflichtautoren aller Grufties. Nichts für Menschen, die sich des Lebens erfreuen. Seltsam, dass die sich mit einer Figur eines Egoistisch-Melancholistischen Arschlochst identifizieren können :lol: Aber vermutlich meinst Du ein anderes Buch von ihm? Muss gestehen mich nicht weiter mit ihm befasst zu haben. Ein Sammelband mit Elric-Geschichten hat mir gereicht.

Warum William Gibson so gehyped wurde, kann ich mir persönlich nicht erklären. Mich haben seine Romane nicht berührt. Die habe ich mehr aus Pflichtgefühl als aus eigener Motivation heraus gelesen. Sein Schreibstil ist so schwammig, dass ich mich schlecht orientieren konnte. Das war wie ein spaziergang im Nebel. Besonders die Cyberszenen bestachen durch ihre Schwammigkeit IMO. Seine eigentliche Bedeutung geht sicherlich auf die Begründung des Subgenres und das Erschaffen der Steilvorlage, die durch Ted Williams (Otherland), Joh Shirley (Eclipse ) und Neal Stephenson (Snow Crash!) ausgereizt wurde.

Dan Simmons und "Hyperion" ist auch so ein Geschichte. Prinzipiell ein tolles Buch nur mindestens doppelt zu lang als nötig wäre. Habe mich damit schrecklich gelangweilt und war froh durch zu sein. Scheinbar bin ich damit inkompatibel.

Was mich besonders freut, ist, dass ich bei Dir von vielen Autoren und Büchern lese, die mir nicht viel sagen. *notitzblock-raushol* Die werde ich mir demnächst zur Brust nehmen.

Halbwegs erstaunt bin ich darüber, dass Du mit keinem Wort Star Wars. Vermutlich ist das für Fantastik-Fans zu obligatorisch, um erwähnt zu werden, oder? "Das Imperium schlägt zurück" war übrigens mein allererster Kinofilm ;)

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Horus W. Odenthal
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Re: Die große Science-Fiction-Frage

Beitrag von Horus W. Odenthal » Do 3. Jan 2013, 09:53

Star Wars und Konsorten habe ich einfach nicht erwähnt, weil ich automatisch davon ausging, es ginge hier um literarische SF. Außerdem haben Filme und TV eher eine bereits bestehende Flamme angefacht und hell auflodern lassen, alles mit Bildern gefüttert. Für jeden Filmfreak bin ich wahrscheinlich ein Banause, aber bei mir gilt: Filme sind für Bilder und Emotionen, Bücher für Ideen und Stories da! Dazu kommt, dass Filme der Literatur immer um Jahrzehnte hinterher sind (jüngstes Beispiel: Avatar ist ein zusammengekochtes Konglomerat aus C.J. Cherryhs 80er Jahre SF) und sie nicht tatsächlich als Anreger gelten können. Klar war ich von Star Wars etc. begeistert. Und Star Trek und Alien und und und. Zu Star Wars habe ich heute mittlerweile ein gebrochenes Verhältnis. Ich wünschte mir, man hätte all den Kinderkram rausgeflammt und eine ernstere, erwachsenere Serie geschaffen. (siehe oben, Banause und so) Babylon 5 fand ich zu seiner Zeit ganz groß, weil es genau diesen Faktor hatte – eine gewisse Ernsthaftigkeit, Reife, der Schatten der "Realpolitik" –, ist aber schlecht gealtert. Wenn du wirklich Cherryh noch nicht kennst, solltest du sie unbedingt lesen. Ich finde, sie ist SF-historisch Pflichtlektüre. Fang am besten bei "Pells Stern" an (engl.; "Downbelow Station") das bringt alles, was ihre Bücher ausmacht, auf den Punkt. Viele, was heute passiert, baut auf Cherryh auf, aber man vergisst oft, dass sie eine der ersten war, die diesen harten, plotgetriebenen Stil in die SF einbrachte.
Zuletzt geändert von Horus W. Odenthal am Do 3. Jan 2013, 17:49, insgesamt 1-mal geändert.

minkey
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Re: Die große Science-Fiction-Frage

Beitrag von minkey » Do 3. Jan 2013, 12:29

wo ich mich gerade von einer Grippe erhole, muss ich mich mal an Hexodus Altpapierfabrik anhängen, auch wenn es ein bisschen off-topic ist: In meiner Grundschulzeit habe ich in einem winzigen Dörfchen gewohnt, dass immerhin ein paar elementare Teile einer Infrastruktur hatte: eine einzügige Grundschule, in die alle Kinder der Umgebung gingen (in meiner Klasse waren es 47), ein Aschenplatz zum Fussballspielen, eine verfallene Schlossruine, in der wir Kinder erstaunlicherweise spielen konnten, obwohl dort alles einsturzgefährdet war (sehr cool), eine geheimnisvolle Sandsteinhöhle, ein winziger Einkaufsladen mit Naschzeug, bei dem man ab 1 Pfennig einkaufen konnte und zweimal im Jahr Kirmes: 1 Karussel, 1 Losbude, 1 Glücksspielbude und traditionell liefen wir Kinder dann mit Erbsenpistolen rum.
Und eben auch eine Papierfabrik...
Das war zum einen klasse, weil wir Kinder bei Bedarf uns einen Bollerwagen nahmen, die Häuser abgingen um Altpapier zu sammeln und wen der Wagen voll war, ging es dann zur Papierfabrik auf die grosse Waage und es gab etwa 1,50 oder so, für uns jedenfalls so viel, dass man auch durch 3 teilen konnte und es immer noch ein kleines Vermögen schien. Und zum anderen konnte man über einen geheimen Pfad hinter die Altpapierfabrik gelangen, wo jemand ein Loch in den hohen Zaun geschnitten hatte. Durchschlüpfen und schon stand man inmitten eines Labyrinths von Papier aufgetürmt zu, ich schätze, 4-5 Meter hohen Blöcken, aber hier trügt sicherlich die Kindeserinnerung. Hier galt es dann die Schätze zu finden und Schätze hieß in dem Fall Comics. Es gab nichts wirklich gutes, an Bücher kann ich mich nicht erinnern, höchstens Liebesromangroschenhefte und auch das Comicrepertoire war sehr eingeschränkt auf das dürftige Angebot von Bastei-Lübbe. Aber ich erinnere mich noch an das spannende Schatzjägergefühl. Der beste Fund war eine Reihe von Das Phantom-Comics. Die Arbeiter kippten Farbe über die Stapel, um die Sachen uninteressant zu machen, aber es liess sich doch immer was tolles dort finden...

Um zurück auf SF zu kommen: Auch wenn mir immer mehr Sachen einfallen, die ich gelesen habe (z.b. Snowcrash), fällt mir der große Unterschied zwischen Horus und Dir, Hexodus und mir auf: Lem. Horus, Du hast nichts von Lem gelesen, ich weiß nicht, ob es etwas von ihm gibt, dass ich *nicht* gelesen habe. Dafür fehlt mir sehr viel vom Rest. SF im literarischen Sinne, war für mich vor allem im Lemschen Sinne: eine einzige grosse <was wäre wenn>-Frage, ein einzigartiges Gedankenexperiment. Sprache: Who cares, Charakterentwicklung: Wozu?

Grossartig z.b. die Geschichte, bei der ein Pilot (Pirx oder war es Tichy?) auf einer Solomission einen Helfer braucht, um seine Luke zu reparieren und in einen Zeitstrudel fliegt, um sich selbst zu begegnen und mit sich selbst als Helfer aus der Zukunft die Reparatur vorzunehmen. Was trotz unzähliger Begegnungen mit sich selbst und dem beiderseitigen Interesse zur Reparatur immer wieder an der Zusammenarbeit scheitert. Ein brillantes Stück Logik.

Genauso unvergessen der Prozess, bei der eine Firma die Prothesen eines Rennfahrers zurückfordert, da er sie nicht bezahlen kann. Besonders perfide: das einzige nicht künstliche ist eine Gehirnhälfte, die dann automatisch stirbt. Darf man die Teile zurückfordern? Aber wie immer treibt Lem es auf die Spitze: Der Rennfahrer hatte wegen der verbleibenden Gehirnhälfte immer Kopfschmerzen, die Firma hat ihm daraufhin die letzte Gehirnhälftenprothese geschenkt. Existiert der Rennfahrer noch oder kann er demontiert werden?

Es ist tatsächlich eine ganz andere Art von SF, literarisch in dem Sinne eher uninteressant. Aber dieses Ausloten der Möglichkeiten habe ich bei keinem anderen Autor in dieser Stringenz erlebt.

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Re: Die große Science-Fiction-Frage

Beitrag von Hexodus » Do 3. Jan 2013, 23:29

Horus, das musste ich einfach fragen. Ich meine auch in Hyperdrive Anklänge von Star Wars, im positivem Sinne, zu finden. Mit Deiner Einschätzung hast Du natürlich Recht. Star Wars ist ab Episode1 den Berg runter gegangen. Auf einmal musst jeder erdenklichen Zielgruppe recht gemacht werden. Jar-Jar-Bings ging mir sowas auf die Nerven, dazu die Sisi-Liebesgeschichte. Argh, wie kann man nur? Immerhin fand ich die entgegenstrebenden Erzählstränge der Liebesgeschichte und dem aufkeimenden Krieg sehr gut gelöst. Insgesamt tendiere ich filmisch eher zu den düsteren bin ganz düsteren Szenarien. Horror inbegriffen.
C.J. Cherryh kenne ich tatsächlich nicht. Machen wir doch einen Deal. Ich lese etwas von Cherryh und Du etwas von Vernor Vinge, ok? So schließen wir beide unsere SF-Lücken.

Minkey, ich hätte nie gedacht, dass ich in diesem Leben noch jemanden begeggne, mit dem ich die Schatzsuche in der Papierfabrik gemeinsam habe. Dann verstehst Du also wie abenteuerlich-aufregend sich das anfühlt. Und genau dieses Gefühl habe ich ein Stück weit mit allen Büchern verknüft. Das ist meine große Liebe und ein Abenteuer zugleich.
In unserer Papierfabrik hat sich alles min. 5 war das Altpapier zu Packen gepresst und mit Draht gebunden. Um an die wirklich guten Sachen dran zu kommen, haben wir die Drähte mit der Zange abgeknippst, was eine wahre Papierlavine auslöste. Damit waren wir bei den Arbeitern natürlich unten durch und die Gejagten. Aber was nimmt man nicht auf sich für ein gutes Buch? Ansonsten scheint die Ortsbeschreibung so ziemlich dem kleinen Kaff in dem ich aufgewachsten bin zu entsprechen. Wenn die Erde einen hintern Hätte, wäre genau dort die Ritze. :lol: Immerhin gab es ein Kiosk und eine anständige Bibliothek. Also nichts, was einen lesedurstigen Jungen von der Lektüre und dem Träumen von Abenteuern in fernen Galaxien abhalten könnte.

Die Auffassung der SF der Horus anzuhängen scheint tatsächlich etwas anders zu sein wie die von Minkey oder mir. Ja, Lems Kurzgeschichte mit der Selbstbegegnung im Zeitstrudel bringt es auf den Punkt. Es ist das wunderbare, undenkbare, das die SF von jeder anderen Literaturgattung abhebt. Die Science Fiction wagt Gedankenexperimente, bringt uns an den Rand des Möglichen, um einen Blick über den Abgrund zu ermöglichen und so uns selber und der Menschheit eine Erfahrung voraus zu sein. Dabei hat das mit Technophilie an sich nicht zu tun. Es ist die starke Idee und das Wagnis sich darauf einzulassen, worauf es ankommt. Klar kann Science Fiction eine weitere Kulisse für ein Abenteuer darstellen. Dann wird das Genre jedoch austauschbar, eine literarische Farbe und ein Beiwerk, das keine Tragende Rolle spielt ... und auch wieder belanglos. Eine Unterhaltung, gesponnen für den Augenblick. Dabei kann man mit der Science Fiction viel mehr erreichen. Deshalb kommt es mir dabei weniger auf die literarischen Finessen darauf an, ich möchte lieber den Sense of Wonder spühren. Meine gedankliche Schranke ein wenig weiter verschieben, das undenkbare Denken und erfrischt daraus hervorgehen.

Kennt jemand die kurzgeschichte "Blumen für Algernon" von Daniel Keys? Darin widmet sich der Autor dem Thema Intelligenz im Verhältnis zum Glück. Robert Sheckley erklärt im Planet der Verbrecher" dass Wissen zum Geheimnis und dies zu erforschen ist eine tödliche Angelegenheit. Greag Bear entfacht in "Bloodmusic" ein Feuerwerk an Ideen, von denen jede auf der Schulter der Vorherigen steht und sich ins Unermessliche steigert. Die Regeln des Universums werden von den darin wohnenden Spezies "erdacht", doch was passiert, wenn plötzlich eine andere noch zahlreichers Spezies die Bühne betritt? Gebrüder Strugatzi werfen im "Die Schnecke am Hang" die Frage auf, ob wir imstande sein werden fremde Intelligenzen zu verstehen, solten sie jemals mit uns in Kontakt treten. Das sind Gedankenexperimente, die über die erzählende Literatur hinaus gehen und das "where the juce is".

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