Die große Science-Fiction-Frage

Alles frisch von der Leber talken, Hauptsache es ist Fantasy, Science-Fiction, Horror oder Du glaubst, es wäre welches.
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Horus W. Odenthal
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Re: Die große Science-Fiction-Frage

Beitrag von Horus W. Odenthal » Fr 4. Jan 2013, 08:51

Deal gemacht, Hexodus: Ich lese als nächstes lese ich Vinge. Zu welchem Roman würdest du einem Einsteiger denn raten?
Hexodus, Minkey, damit wären wir alle drie in einem gottverlassenen Provinzkaff aufgewachsen. Bei mir gab es nicht einmal einen anständigen Buchladen, der über Schneider-Bücher oder die besagten Williams-Taschenbücher hinausgegangen wäre, keine Bücherei. Dazu musste man in das benachbarte Städtchen fahren. Dörfer und die Bewohner des Städtchens beäugten einander argwöhnig. Die kamen aus einer anderen Welt und waren seltsam, die "Städter". Das sagt wohl alles. Keine Papierfabrik, nur altes Bahngelände. Ich hatte einiges nachzuholen als wir später ins "Städtchen" zogen.
Tatasächlich dient mir SF eher dazu, bestimmte Problematiken in eine "neutrale" Welt zu versetzen. Im Gegensatz zur Fantasy in eine, in der ich gerne leben würde, die lebenswert ist. Sense of wonder ist mir auch wichtig. Wichtig ist aber, dass die Landschaften, die man mit Worten bauen kann, keine (oder wenige) Begrenzungen kennen. Und die Gedankengebäude. Man kann Konzepte manifestiert testen, Metaphern real werden lassen, sie verkörpern.

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Hexodus
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Re: Die große Science-Fiction-Frage

Beitrag von Hexodus » Fr 4. Jan 2013, 13:29

Ok, dann steht der Deal ;) Anfangen würde ich mit "Eine Tiefe am Himmel" (A Deepness in the Sky) Die Deutsche Version ist super. Über die Orginalfassung kann ich nichts sagen. Da haben sich die Kleinstädter gesucht und gefunden, würde ich sagen 8-) So, meine Mittagspause ist wieder rum. Wie die Zeit so vergeht...

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Re: Die große Science-Fiction-Frage

Beitrag von minkey » So 6. Jan 2013, 13:57

Ich hatte ja Fredric Brown als einen der für mich ganz wesentlichen SF-Autoren angeführt. Zugegeben, ein Kurzgeschichten-Autor.

Da seine Geschichten mittlerweile so alt sind, findet man einiges mittlerweile im Internet.

Hier eine, die jeder indirekt durch Douglas Adams kennt, sie stammt von 1954 und ist wahrlich kurz:
http://www.alteich.com/oldsite/answer.htm

Und hier sein absoluter Klassiker zum Download. Von 1944, also 69 Jahre alt und nach wie vor absolut lesenswert. Da ist für mich alles drin, was gute SF ausmacht, ein absolutes Must-Read, wenn ihr es noch nicht kennt...

http://manybooks.net/titles/brownfother08Arena.html

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Hexodus
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Re: Die große Science-Fiction-Frage

Beitrag von Hexodus » Fr 11. Jan 2013, 22:55

Oh wow, die Supershortstory ist ja genial! Die andere habe ich mir für später downgeloaded.
Die Geschichte, die für mich SF pur darstellt ist nach wie vor "Blumen für Algernon" von Daniel Keys (Flowers for algernon).

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Horus W. Odenthal
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Re: Die große Science-Fiction-Frage

Beitrag von Horus W. Odenthal » Sa 12. Jan 2013, 19:47

Tja, da scheiden sich die Geister. Die Supershortstory fand ich nett. Aber wenn das alles wäre, was SF zu bieten hätte, würde ich keine SF lesen. Ich brauche Wortwelten, in denen ich versinken kann.

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Re: Die große Science-Fiction-Frage

Beitrag von minkey » Sa 12. Jan 2013, 23:32

Klar, ich verstehe, was Du meinst. Aber eine shortstory von etwa 200 Wörtern ist nunmal was ganz anderes, eben nichts um sich in Wörtern zu verlieren, sondern eine Kurzform, die eine Idee in wenigen Wörtern kondensiert. Diese Story hatte ich vor allem deswegen hier mal zitiert, weil jeder die Variation von Douglas Adams kennt, das Original von Fredric Brwwn hingegen weitgehend unbekannt ist.
Ich mag aber auch die Schriftsteller, die solche Ideen auf den Punkt bringen können. Brown ist da sicherlich nicht der Meister, ich kenne auch keinen im SF- Bereich und im geschwätzigen Fantasy-Bereich ohnehin nicht (by the way: warum ist fantasy eigentlich so geschwätzig), aber Roald Dahl und Jack Ritchie sind 2 Autoren, die dies meiner Meinung meisterhaft beherrschen und dann kann ich mich auch in dieser Kunst der Verkürzung wunderbar verlieren.
Dennoch: The Arena enthält alles, was eine gute SF-Geschichte braucht und bleibt trotz des hohen Alters und trotz der wenig ausschmückenden Sprache von Brown eine lesenswerte Geschichte, die auch in Hyperdrive durch die Khunjaka quasi aufgenommen wird, auch wenn Du sie nicht kennst. Gelesen?

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Horus W. Odenthal
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Re: Die große Science-Fiction-Frage

Beitrag von Horus W. Odenthal » So 13. Jan 2013, 00:28

Nein, habe ich noch nicht gelesen. Werde ich aber. Ich finde die andere Geschichte nicht schlecht. Das ist aber nicht das, was ich unbedingt suche. Ist eher ein Snack nebenher, den man gut finden kann. So geht es mir oft: Es gibt Kurzgeschichten, die ich wegen ihrer Qualität anerkennen kann, ich bin aber nicht so sehr der Kurz-Geschichten-Fan. Ich sehe die Qualität; es ist aber nicht das Medium, das mich antörnt.

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Re: Die große Science-Fiction-Frage

Beitrag von Hexodus » Do 17. Jan 2013, 13:10

Damit hat sich der Kreis zu der unvemeidlichen Frage gedreht, ob denn SF eine reine Ideenliteratur sei. Das ist nämlich ein Aspekt, das die fiktionalen Genres in meinen Augen eindeutig in die Strömungen Science Fiction und Fantasy spaltet.

Die Superkurzgeschichten zählen sicherlich als Ideenliteratur, auch die meisten SF-Shortstorys, während das bei den Büchern divergiert. Über eine Buchlänge muss man nämlich viel erzählen und da können kleine Ideechen so mit Worten zugesandet werden, dass der erzählende Aspekt überhand nimmt.
minkey hat geschrieben: (by the way: warum ist fantasy eigentlich so geschwätzig)
Eine sehr interessante Frage - was meinst DU dazu? Persönlich meine ich, dass bei der Fantasy nicht die Idee, sondern die Weltschöpfung und Charaktäre zählen. Destiliert man eine SF-Geschichte, kommt u.U. sowas wie die Supershortstory dabei heraus: die nackte Idee. Das funktioniert mit Fantasy IMO nicht, weil diese Gattung keinen solchen eisernen Kern beinhaltet bzw. das Erzählende nicht wegreduziert werden kann.

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Re: Die große Science-Fiction-Frage

Beitrag von Horus W. Odenthal » Do 17. Jan 2013, 20:14

Ich würde, es für mich einmal so formulieren:
Phantastik allgemein wird gern als Ideenliteratur benutzt, eben weil alles, was denkbar ist, dort auch erlaubt ist. Wissenschaftlich gesinnte Menschen stürzen sich auf SF. Das solche Menschen dazu neigen neuerungswütig zu sein, produzieren sie viele Ideen, so viele Ideen, dass es das Bild der SF geprägt hat. Eine Idee reicht meist nicht mehr als für eine Kurzform. Sieht man sich längere Werke an, sind zwar immer noch Ideennuklei erkennbar, doch bilden sie nur den Vrowurf zu etwas größerem, breiterem. Tendiert die Idee dazu, das ganze Werk zu prägen oder gar zu übernehmen, nennen wir das High Concept. Fantasy – genau wie Horror – ist an sich genauso Ideenliteratur. Was wäre, wenn dieser oder jener Mythos Wirklichkeit wäre? Was wäre, wenn eine Geschichte sich zyklisch entwickelt, so wie die Weltenschlange, die sich in den Schwanz beißt und all die Kriege, die diese Mächte führen nur ein riesiges Spiel wären? Eine Zeitlang war die Fantasy aber sehr konservativ geprägt. Da reichten dann auch alte Ideen. Neuerdings tendiert sie wieder dazu Ideeliteratur zu werden. Ich darf hier als ein einziges Beispiel unter vielen nur Brandon Sanderson und seine Magiesysteme anführen. Ih persönlich finde, Ideen sind ein Gewürz, das sparsam anzuwenden ist, da es sonst das Gericht verdirbt. Die Rezension von Abart auf diesen Seiten führt mir das vor Augen, da mein Leseerlebnis ähnlich dem des Rezensenten war nur etwas extremer von mir beurteilt wurde. Ich finde, diese Geschichte ist so von Ideen überschwemmt, dass sie keine Ruhe aufkommen lässt und die Qualitäten der Erzählung und des Stils fasst verdeckt bzw. erschlägt.
Ideen wollen eingesetzt werden. Sie können sich nirgendwo so gut entwickeln wie in der Phantastin. Die Ideen der SF zeihen unser Augenmerk auf sich, weil sie wegen Grtundbedingungen des Genres so Cutting Edge und daher für unseren zeitgeprägten Blick so grell sind.
Andererseits neigen Kurzformen der Erzählung dazu, viel Ideenliteratur anzuziehen.
Ist nicht auch ein Großteil von Ronald Dahls Werk Ideenliteratur?

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Re: Die große Science-Fiction-Frage

Beitrag von minkey » Sa 19. Jan 2013, 11:54

Horus W. Odenthal hat geschrieben:Andererseits neigen Kurzformen der Erzählung dazu, viel Ideenliteratur anzuziehen.
Ist nicht auch ein Großteil von Ronald Dahls Werk Ideenliteratur?
Wenn es um Kurzformen geht, gefällt mir meistens eigentlich nur Ideenliteratur. Vielleicht ist das auch genau das, was ich mal an anderer Stelle geschrieben habe, nämlich dass Autoren meist nur kurze oder lange Texte gut schreiben können, aber selten beides. Vielleicht ist es schlicht der Unterschied, dass mir bei Kurztexten Ideenliteratur gefällt, bei Langtexten hingegen reicht das schlicht nicht aus, da ist das Erzählerische und die Charakterentwicklung das Wichtige.

Roald Dahl gehört tatsächlich zu den wenigen Schriftstellern die beides können, wobei seine längeren Werke meines Wissens ausschliesslich Jugendliteratur sind.
Wobei Roald Dahl auch ein Schriftsteller ist, der durch sein ungeheuerliches Erzähltalent selbst aus winzigen Ideen enorme Geschichten machen kann (Beispiel: EIn Mann schläft in einem Bett und hat beobachtet, dass eine Giftschlange unter die Bettdecke gekrochen ist. Sowas ist schwierig spannend zu erzählen).

Fredric Brown, Stanislaw Lem hingegen sind vor allem Ideenerzähler. Beide haben auch längere Texte geschrieben, bei beiden sind sie, ich sag mal 'unerheblich' (meine Meinung. Bei beiden gibt es wahrscheinlich Leser, die das anders sehen.)

@Hexodus: Zur Geschwätzigkeit von Fantasy bleibe ich jetzt gerade noch 'ne Antwort schuldig. Kommt noch. :)

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