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flavius
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Re: Blogger

Beitrag von flavius » Di 30. Okt 2012, 17:49

minkey hat geschrieben: Jemand, der so schreibt und es veröffentlicht, möchte ganz sicher keine Rezension. Anerkennung, ja. Vielleicht auch nur Beachtung. Jedenfalls ganz sicher keine Rezension. So jemand braucht Hilfe, sonst nichts.
Psychiatrische Hilfe oder eine Schreibschule (oder überhaupt irgendeine Schule)?
minkey hat geschrieben: Eine schonungslose Rezension heißt aus meiner Sicht in so einem Fall nichts anderes, als jemanden, der schon am Boden liegt, noch zusätzlich zu treten.
Oder aber ihn wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen.
minkey hat geschrieben:Ich hatte jedenfalls eine kurze, vernichtende Rezension zu diesem Werk geschrieben, habe kurz innegehalten und sie dann gelöscht.
Vielleicht ist es auch hilfreich ihm diese Rezi zu schicken und ihn auf seine Schwächen oder sein
Unvermögen aufmerksam zu machen. Man muss die Rezi dann ja nicht veröffentlichen. Denn wie
gesagt, viele haben einfach kein Feedback und können ihre Schreibe selber gar nicht einschätzen.
Wenn ihm Mami und Pappi immer wieder sagen "das hast du aber schön gemacht", aber niemand
den Mumm hat ihm "Alter, das ist Schrott!" zu sagen, lernt er es ja nie.

Man muss ihn mit einer Rezi ja nicht vernichten. Viele sind eventuell für ein offenes Wort auch
dankbar. Es ist halt immer die Frage wie ich die Kritik rüberbringe. Auch wenn uns Hexodus (der
Chef hier bei FB) immer wieder dazu anhält nicht ganz soooo schlecht zu bewerten, was mir bei
Venustransit ja echt schwer gefallen ist, so kann man immer noch nach etwas Positivem suchen.

Scheiße zum Beispiel stinkt zwar, aber es dient immerhin Millionen von Fliegen als Nahrung. Das
ist doch auch schon etwas. :lol:
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Psalm 119, 105

minkey
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Beitrag von minkey » Di 30. Okt 2012, 18:04

flavius hat geschrieben:Vielleicht ist es auch hilfreich ihm diese Rezi zu schicken und ihn auf seine Schwächen oder sein
Unvermögen aufmerksam zu machen.
Und meine Mail-Adresse preisgeben, damit es mir geht, wie den Bloggern?

Was ich schon mal mache, ist mich an eine Rezension anhängen. Z.B. so:
Kommentar zu Rezension hat geschrieben:Auch ich habe die Rezension als harsch empfunden. Aber nach dem Lesen des Buches muss ich sagen, sie hat trotz aller Härte einen wahren Kern. Der Schreibstil wirkt wirklich unbeholfen oder um es positiver zu formulieren, hat viel Potential. Es scheint mir da noch deutlich an Übung zu fehlen.
Naja, ich scheine etwas vorsichtiger mit Negativ-Rezensionen umzugehen, als Du. Ich schreibe lieber positive Rezensionen, leider gibt es zu wenig Gelegenheit dazu.

edit: Wobei ich gerade sehe, dass Du für Venustransit, dass Dir anscheinend überhaupt nicht gefallen hat, 3 Sterne gegeben hast. Also nur eine Skala von 3-5? Ich glaube, da sind wir wieder in der Diskussion A-Liga/B-Liga, oder?

flavius
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Beitrag von flavius » Di 30. Okt 2012, 19:22

minkey hat geschrieben:Wobei ich gerade sehe, dass Du für Venustransit, dass Dir anscheinend überhaupt nicht gefallen hat, 3 Sterne gegeben hast. Also nur eine Skala von 3-5? Ich glaube, da sind wir wieder in der Diskussion A-Liga/B-Liga, oder?
Ich hatte dem Buch weniger Sterne gegeben, weils einfach übel war. Aber Hexodus hat,
höflich versteht sich, nachgefragt ob die Bewertung nicht doch besser ausfallen kann.
Da ich den Text aber nicht geändert, sondern lediglich ein Sternchen mehr vergeben
habe, konnte ich damit leben. Wer den Text liest, weiß dann aber hoffentlich wie es
mir tatsächlich gefallen hat. So ganz glücklich war ich darüber zwar auch nicht, kann
aber damit leben. Den Verleger Harald Giersche kenne ich aus zwei anderen SF Foren
und bin immer gut mit ihm klar gekommen. Hinzukommt, dass ich Lukas Edel auch
als "besseren" Autoren im Gedächtnis habe. Ich weiß das er es besser kann und frage
mich heute noch, wer ihn bei Venustransit geritten hat.

Das war das erste Buch aus dem Begedia Verlag das wir bekommen haben. Da wollte
ich dann doch nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen. Erschwerend kommt noch hinzu,
dass, wenn ich das Buch vielleicht verreisse, wir gar nichts mehr aus dem Verlag be-
kommen und dann stehe nicht nur ich dumm da, sondern die anderen aus dem Rezi-
Team ebenfalls. Mit so einem Problem muss sich der einzelne Buch-Blogger ja nicht
herumschlagen. Das ist ein Einzelkämpfer. Aber dennoch, du hast recht, konsequent
ist das nicht von mir gewesen.
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Hexodus
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Beitrag von Hexodus » Di 30. Okt 2012, 21:28

@Flavius so hat mir der Harald auf der BuCon wider erwarten nicht den Kopf abgebissen ;) Naja, wenn ich von Kleinverlagen höre, dass die im Schnitt 50 Bücher verkaufen, dann möchte ich nicht an dem Desaster mitschuld sein, dass diese magere Auflage noch weiter schrumpft. Den Kleinen muss man eine gewisse Schonzone einräumen, wenn man, so wie wir (bitte jetzt nicken ;) , die Szene fördern will. Das heißt jetzt nicht, dass man Allem und Jedem fünf Sterne geben muss und sich die Rezensionen zurecht lügt.

Gerade frage ich mich selber, ob ich nicht doch etwas heuchlerisch veranlagt bin. Nach meinem Verriss von Kryson könnte man das durchaus annehmen. Aber das war aus der therapeutischen Sicht nötig - irgendwie musste der Ärger verarbeitet werden. Hauptsache mit Niveau, oder wie diese Creme auch hieß ... :mrgreen:

minkey
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Beitrag von minkey » Di 30. Okt 2012, 21:51

Ich kanns gut nachvollziehen. Es gibt eben doch nicht wirklich die Einheitsskala für alle Bücher. Ich kriegs jedenfalls schon bei den paar Rezensionen, die ich bei Amazon einstelle nicht hin.

Hab z.B. Adler-Olsen für Alphabethaus 2 Sterne gegeben, einfach weil er weit unter seinen Möglichkeiten bleibt und gleichzeitig einem Indi-Schrottroman auch 2 Sterne und einer halbwegs passablen Indi-kurzgeschichte 3 Sterne. Natürlich ist letztendlich der Adler-Olsen immer noch deutlich besser als die anderen beiden, gleichzeitig aber immer noch deutlich schlechter als ein gutes Buch. EIne 5-Sterne-Skala ist schon wenig. 1 Stern gebe ich nur für absolute Ausnahmefälle nach unten, 5 dito für nach oben, bleiben nur 3 Sterne für den Rest. Schwierig.

flavius
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Beitrag von flavius » Di 30. Okt 2012, 22:26

Hexodus hat geschrieben:Den Kleinen muss man eine gewisse Schonzone einräumen,
wenn man, so wie wir (bitte jetzt nicken ;) , die Szene fördern will.

Das kann ich so unterschreiben. Ich finde die Kleinverlagsszene im SF Bereich
sehr unterstützenswert. Die Tage über habe ich aus dem Wurdack Verlag eine
Kurzgeschichtensammlung Überschuss gelesen. Herausgeber war Armin
Rößler. Ich war mehr als angenehm über die Qualität überrascht. Das Buch
hätte wirklich eine höhere Auflage und vor allen Dingen mehr Beachtung ver-
dient gehabt.

Wenn ich das mit dem Schrott vergleiche der teilweise aus Übersee hier bei
uns in den großen Verlagen veröffentlicht wird, kann ich da nur mit dem Kopf
schütteln. Wir sollten uns hier mehr auf unsere Autoren konzentrieren, denn
die haben, auch in der Breite, schon einiges zu bieten. Bei Fantasy ist das ja
nun schon gang und gäbe, hoffentlich auch bald mal in der SF.
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theDude
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Re: Blogger

Beitrag von theDude » Di 30. Okt 2012, 22:45

flavius hat geschrieben:
minkey hat geschrieben: Jemand, der so schreibt und es veröffentlicht, möchte ganz sicher keine Rezension. Anerkennung, ja. Vielleicht auch nur Beachtung. Jedenfalls ganz sicher keine Rezension. So jemand braucht Hilfe, sonst nichts.
Psychiatrische Hilfe oder eine Schreibschule (oder überhaupt irgendeine Schule)?
minkey hat geschrieben: Eine schonungslose Rezension heißt aus meiner Sicht in so einem Fall nichts anderes, als jemanden, der schon am Boden liegt, noch zusätzlich zu treten.
Oder aber ihn wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen.
Genau darum schreib ich ja, erst ne Rezension veröffentlichen, wenn man auch das gesamte Buch / die ganze Geschichte kennt.
Goethes Werther hätte ich nach dem ersten Leseeindruck in einer Rezension zerissen. Erst Jahre später habe ich das Buch nochmals hervorgeholt und war absolut begeistert.

Zugegeben, bei dem von dir hervorgebrachten Beispiel halte ich, rein intuitiv und ohne die Sachlage zu kennen, eine negative Rezension für unangebracht, vlt. sogar für unmenschlich. Allerdings hätte ich so ein Buch kein zweites Mal angeguckt, hätte es ganz sicher nicht gelesen und hätte dadurch keine gute Kritik abgeben können. -> Keine Rezension von meiner Seite.

Wenn ich aber ein Buch oder eine Geschichte für lesenswert erachte, es fertiglese und immer noch der Meinung bin, es handelt sich um kompletten Schrott, habe ich kein Problem damit, dies auch zu zeigen. In diesen Fällen ist es meine Pflicht, nachkommende Leser zu "warnen". Schliesslich bin ich voll in die "Lausige-Buch-Falle" getappt und möchte diese Erfahrung anderen ersparen. Ist die Rezension zudem noch sachlich und differenziert, ist sie für den Nachkommenden auch wirklich hilfreich.
Den Kleinen muss man eine gewisse Schonzone einräumen, wenn man, so wie wir (bitte jetzt nicken ;) , die Szene fördern will. Das heißt jetzt nicht, dass man Allem und Jedem fünf Sterne geben muss und sich die Rezensionen zurecht lügt.
Schonzone für die Kleinen, auf jeden Fall. amazon ist aber kein Nachwuchsförderungsverein, sondern der grösste deutsche Online-Handel.
Ich kenns zwar nur aus der Musik, aber dort geht man als motivierter, aber trotzdem selbstkritischer Amateur die Dinge langsamer an.
Erst von der eigenen Familie bestätigt werden. Dann von Freunden. Dann an Mini-Band-Contests. Erst dann überlegt man sich, auf myspace, youtube etc. aktiv zu werden, erst dann versucht man, gross auf sich aufmerksam zu machen.
Wenn ich von Anfang an schlechte Videos schlechter Songs mit schlechter Video- und Soundqualität auf Youtube stelle, werde ich entweder vollkommen ignoriert oder gnadenlos zerissen. Es sei denn, das ganze hat Potential, dann finden sich auch aufbauende und hilfreiche Kommentare. ("Nutze eine andere Kamera", "Lead-Gitarre viel zu laut abgemischt", "guter Song, aber unbedingt Sänger wechseln" etc.)
Als werdender Autor gibts vlt. ähnliche Möglichkeiten. Ich könnte mir beispielsweise vorstellen, hier im Forum eine Kurzgeschichte zu präsentieren und in kleinem Kreise ohne grosse Erwartungen Kritik anzunehmen. Hier wäre sicher eine Schonzone angebracht.

Wer aber gleich auf amazon schreibt, spielt nunmal in der Liga der Profis.
Dort ein schlechtes Buch positiv zu bewerten, nur um die Kleinen zu unterstützen. Da sehe ich ehrlich gesagt wenig Sinn dahinter.

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Horus W. Odenthal
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Re: Blogger

Beitrag von Horus W. Odenthal » So 30. Dez 2012, 20:21

theDude hat geschrieben:amazon ist aber kein Nachwuchsförderungsverein, sondern der grösste deutsche Online-Handel.
Ich kenns zwar nur aus der Musik, aber dort geht man als motivierter, aber trotzdem selbstkritischer Amateur die Dinge langsamer an.
Erst von der eigenen Familie bestätigt werden. Dann von Freunden. Dann an Mini-Band-Contests. Erst dann überlegt man sich, auf myspace, youtube etc. aktiv zu werden, erst dann versucht man, gross auf sich aufmerksam zu machen.
Wenn ich von Anfang an schlechte Videos schlechter Songs mit schlechter Video- und Soundqualität auf Youtube stelle, werde ich entweder vollkommen ignoriert oder gnadenlos zerissen. Es sei denn, das ganze hat Potential, dann finden sich auch aufbauende und hilfreiche Kommentare. ("Nutze eine andere Kamera", "Lead-Gitarre viel zu laut abgemischt", "guter Song, aber unbedingt Sänger wechseln" etc.)
Als werdender Autor gibts vlt. ähnliche Möglichkeiten. Ich könnte mir beispielsweise vorstellen, hier im Forum eine Kurzgeschichte zu präsentieren und in kleinem Kreise ohne grosse Erwartungen Kritik anzunehmen. Hier wäre sicher eine Schonzone angebracht.

Wer aber gleich auf amazon schreibt, spielt nunmal in der Liga der Profis.
Dort ein schlechtes Buch positiv zu bewerten, nur um die Kleinen zu unterstützen. Da sehe ich ehrlich gesagt wenig Sinn dahinter.
D'accord.
Sonst wirft es ein schlechtes Licht auf die Liga.
Wobei man alles in Relation sehen sollte. Wobei man sehen sollte, ob das wirklich Talent ist, das sich nur entwickeln muss, oder nicht.
Wobei ich jederzeit bereit bin, Talent zu fördern, wenn man es auch nur als zartes Flämmchen entdeckt. Habe ich schon oft gemacht. Bei den Comics schon. Mache ich immer wieder. Und bin stolz, dass ein paar von den Leuten heute flügge sind und Preise einsacken. Aber den wichtigsten Rat, den man geben kann ist eigentlich immer nur: Sei Ratschlägen gegenüber kritisch, genauso kritisch wie gegenüber deinen eigenen Werken. Lerne, die richtigen Fragen zu stellen. Gegenüber beidem. Eine davon ist Warum? Die andere ist Warum nicht?
Talentfördern geht aber anders als Lügen aus Rücksicht. Wer wirklich Talent hat und etwas will, macht weiter. Wer nur gebauchpinselt werden will oder andere Gründe hat, geht die Wege, die dazu passen.

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AlesPickar
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Re: Blogger

Beitrag von AlesPickar » Fr 8. Mai 2015, 15:08

ich kann der Versuchung nicht wiederstehen, hier hineinzuposten, da das Thema sehr spannend ist. Der Thread und das an den Anfang gestellte Thema der frustrierten Blogger ist nun 3 Jahre alt, was in dieser Ära eine sehr lange Zeit ist.

Darum fände ich ein gewisses Nachfassen interessant. Was ist seit dem passiert, wie sieht es heute aus? Ich habe leider keinen so starken Einblick in die Welt der Literaturblogs. Haben denn seit dem unzählige Rezensionsbetreiber ihr Blogs gelöscht, oder wälzt sich das Problem immer weiter vor uns her, da immer neue Blogs dazukommen und die selben Erfahrungen wie 2012 machen? Hat sich das Verhalten (auf beiden Seiten) kultiviert, gebessert?

flavius
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Re: Blogger

Beitrag von flavius » Fr 8. Mai 2015, 18:43

Gute Frage.
Mit Bloggern habe ich selber nicht viel am Hut und bin eher zufällig über diese Geschichte gestolpert.
Ich denke aber mal, dass die Sache keine großen Auswirkungen gehabt hat. Vielleicht sind einige mit
ihren zum Teil doch recht vollblumigen Kommentaren etwas vorsichtiger geworden.
"Dein Wort ist meines Fusses Leuchte und ein Licht auf meinem Weg."
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